Markengeschichte

Appartementhaus Lechblick in Warth. Bei sich sein.

Appartementhaus Lechblick in Warth. Bei sich sein. Eine, zwei, drei - und noch eine Kurve. Ohne die schwungvolle Drehung meines Lenkrades zu unterbrechen, fahre ich um eine Biegung nach der anderen, immer höher bis auf 1500 Meter Seehöhe. Aufmerksam, und auch ein bisschen angespannt, als hätte ich zu viel Energie. Adrenalin, oder vielleicht einfach Vorfreude. Ich kann es kaum noch erwarten, dabei hat es schon begonnen. In dem Moment, in dem ich die Autobahn verlassen und in die Straße eingebogen war, die mich durch die zahlreichen Orte der Region Bregenzerwald hindurchführte, wusste ich, ich bin frei.

Ich habe frei, habe Urlaub, und nicht nur das, nein, ich bin wirklich frei. Ich bin nicht nur dem Arbeitsstress, sondern auch jedem Freizeitstress entkommen. Denn hier in Warth, in der Kleinheit des 210-Einwohner-Bergdorfes, locken kein schrilles Nachtleben, keine mondänen Bars oder Flanierstraßen für die Gäste. Hier gilt es, die Energien im Sport, in der Bewegung inmitten von Natur auszuleben und dieses Erlebnis abends nachklingen zu lassen. Zu große Ablenkung ist nicht erwünscht. Warth ist ein Ort für Menschen, die sehr bewusst leben oder dies wieder lernen wollen. Es ist ein Ort für Menschen, die sich vom Tourismusbetrieb lösen können. Warth bietet im Winter, was heute selten geworden ist: Ein modernes, anspruchsvolles Schigebiet mit Gästeangeboten, die den dörflichen Charakter nicht zerstört haben.

Soeben bin ich in den schmalen Weg zum Haus Lechblick eingebogen. Steil abwärts führt er mich zum Haus und zum versteckten Carport, wo ich mein Auto die ganze Woche beruhigt stehen lassen kann. Die Schlüsselübergabe hat in einem Gasthof im Ort stattgefunden. Nichts soll die Ruhe und Abgeschiedenheit hier stören. Als ich aussteige und mit meinem Gepäck nach draußen trete, fühle ich mich noch viel freier. Kein Auto mehr. Keine Straße, kein Straßenlärm. Vor allem aber keine Menschenmassen. Ruhe. Es ist ein unglaubliches Gefühl. Ich setze mich, in der Wohnung angekommen, nach draußen auf meine große Veranda und genieße den freien Ausblick auf Berge und Wälder und den Geruch nach frischer Luft.

Es ist absolut still. Ein altes Holzhaus rechts, und davor dunkle Hochlandrinder im weißen Schnee. Geradeaus vor mir der freie, weite Blick bis in den bekannten Arlberg-Ort Lech, der in der Sonne liegt, als würde er sich ausruhen. Und hinter mir das Appartement, in dem ich mich sofort wie zu Hause fühle. Es ist, als ob eine moderne Stadtwohnung mitten in die Einsamkeit der Natur gesetzt worden wäre. Ich werde ganz friedlich, als wäre jede Last von mir gefallen. Alles ist gut. Nichts fehlt mir. Außer meiner Frau, die bald nachkommt. „In der Einsamkeit ist die Gemeinsamkeit am Schönsten“, hat sie zu mir gesagt, als wir das erste Mal hier waren.

Seither kommen wir jedes Jahr. Wir schätzen die moderne Vorarlberger Architektur, die Einfachheit und Klarheit ausdrückt. Stimmig ist die schlichte, moderne Ausstattung der Wohnung. Sie gibt Ruhe. Nichts Überflüssiges stört das Gleichgewicht. Der Boden aus Lerchenholz lädt ein, barfuss zu laufen und mit allen Sinnen die wohlige Wärme spüren, die sich in den Zimmern ausbreitet. Die großen Glasfronten holen die Natur in die Wohnung herein – jeder Sonnenaufgang und Sonnenuntergang wird zu einem eigenen Erlebnis. Nicht umsonst wurde dieses Haus mit dem „Staatspreis für Tourismus und Architektur“ ausgezeichnet.

Entferntes Grollen macht mich auf den Schneehang am Berg gegenüber aufmerksam, wo ich das abenteuerliche Naturschauspiel einer abgehenden Lawine erleben kann. Staubende Schneemassen - die einzig sichtbare Bewegung. Es ist ein beeindruckendes Erlebnis, so intensiv und nah Natur zu erleben, sich aber zugleich geborgen und geschützt zu fühlen. Selten treffe ich hier auf die Mitbewohner des Hauses. Jeder geht seinen Dingen nach. Es gibt kein geschäftiges Treiben. Hier kann ich mich zurückziehen, kann bei mir sein.

Eines Tages, denke ich, werden wir mit unseren Kindern hierher kommen, um einen richtigen Familienurlaub zu machen. Gemeinsam Schi fahren. Gemeinsam kochen. Und falls sie älter werden und Ausgang brauchen, dann schicken wir sie in die kleine Bar im Dorf. Da müssen wir uns nicht einmal ernsthaft um sie sorgen. Sowieso, Sorgen – die lösen sich hier ganz von alleine auf.

©Lena Hopp, Heidi Kalb-Vogel